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Von Brot und Gebäck zu weltweitem Solex-Spaß. GROSSER EINZELHANDEL ODER KLEINER GROSSHANDEL

Von Brot und Gebäck zu weltweitem Solex-Spaß. GROSSER EINZELHANDEL ODER KLEINER GROSSHANDEL
Interview mit Marcel van de Ven, Inhaber von „Van de Ven Onderdelen Verkoop en Reparatie“
9. Juni 2016
Text: Cok van de Heuvel
Fotos: Wout Meppelink; BROMFIETS

Auf dem Gewerbegebiet in Sevenum stehen keine riesigen Schilder mit der Aufschrift „Solex Enterprise Limited“ oder so. Sevenum ist keine Weltstadt, und daher ist auch das Gewerbegebiet eher bescheiden. Trotzdem sind wir ganz sicher nicht in einer kleinen Scheune gelandet, in der ein alter Hippie mit einer Blume im Haar gerade dabei wäre, die Welt mit einer selbstgebastelten neuen Membran zu beglücken. Marcel van de Ven (52) betreibt auf sehr professionelle Weise einen Handel mit Solex-Ersatzteilen. So schön und umfangreich, dass wir fast schon ein ganzes neues Solex bestellen könnten – es fehlt nicht viel. In dem von einem Architekten gemieteten Teil eines markanten Gebäudes finden wir eine wunderbare Mischung aus purer Leidenschaft und unternehmerischem Talent, dank der auch morgen noch Händler und Liebhaber des berühmten „Spinnenrads“ dieses ikonische „Moped“ auf der Straße halten können.

Marcel sammelte schon seit etwa fünf Jahren, als er einmal seine Sammlung zählte: Es waren 96 Stück. Etwas viel für ein Hobby. Zeit für eine kleine Straffung, aber nicht, um weniger zu machen. Von Haus aus ist Marcel Bäcker, und das Wissen über den Betrieb einer Bäckerei kommt ihm jetzt sehr zugute. Ein Bäcker verdient sein Geld in ganz kleinen Portionen und auch nur, indem er hart und lange arbeitet. Dabei muss man auch den Kopf (sprich: den Taschenrechner) gut im Spiel behalten. Das Hobby wurde zum Beruf, aber Größenwahn war und ist diesem fleißigen Unternehmer fremd. Dennoch hätte es ein großes Unternehmen werden können, denn als der Ungar George Safar zusammen mit seinem Geschäftsführer Laski Kish mit ihrer Solex-Fabrik in Schwierigkeiten geriet, begannen Marcel und seine älteren Brüder Wil (59) und Jan (64) ernsthaft über den Kauf der gesamten ungarischen Fabrik zu verhandeln. Zu diesem Zeitpunkt standen 125 Solex-Motorräder bereit für den Versand nach Amerika. Das war im Jahr 2003, und es gab jede Menge Probleme mit der Typgenehmigung. Tomos Nederland besaß die Rechte, aber Geschäftsführer Henk Buiter stellte sich nicht quer.
Während der Verhandlungen kam es zu Streitigkeiten über die Bezahlung, der Vertrag wurde mehrmals neu ausgehandelt, da immer wieder neue ungarische Forderungen auftauchten. Letztendlich führten die Schwierigkeiten doch dazu, dass die Brüder mit leeren Händen in die Niederlande zurückkehrten.

Es wird „mittelgroß“ eingekauft

Brandneuer Zylinder mit drittem Spülkanal. Der Solex (OTO und jünger) läuft damit besser denn je. Die Kolbenringe sind mit 1,5 mm dünner als das Original und haben einen Sicherungsstift. Diese Kolben sind – nachdem frühere Modelle immer wieder festgefressen sind – von guter Qualität. Der ganze Satz für 100 Euro, gar nicht zu teuer

 

Eine kleine Fabrik kaufen?
Mit der ungarischen Firma ließ sich nicht auf normale Weise verhandeln. Die Idee war, etwa 5.000 Einheiten pro Jahr zu produzieren, die in verschiedene Länder geliefert werden könnten. Dem Fabrikbesitzer fehlte jedoch das eine, dafür hatte er etwas anderes: kein Geld, dafür aber Stolz im Überfluss … Die Verhandlungen kamen zum Stillstand, aber Safar wusste ganz genau, dass seine Kinder vier Tonnen Euro bekommen mussten und dass sonst nichts zustande kommen würde. Also kam es nicht in Frage, die Maschinen in die Niederlande zu transportieren. Und dort mit Betriebskapital aus den Niederlanden zu produzieren? Nein, dann wäre „jemand anderes“ der Chef. Dann mieten? Ein lebendes Museum daraus machen? Überhaupt irgendwas? Nichts davon; Geld, und zwar sofort, blieb die Antwort. Da war für die Brüder van de Ven erst mal wirklich Schluss. Kurze Zeit später ging die
ungarische Firma in Konkurs und alle Produktionsmittel und Montagelinien wurden für 18.000 Euro (Schrottpreis…) verschrottet.

In Sevenum kann man einen guten Solex kaufen. Er liefert keinen Schrott

Ein Ersatztank mit Halterung ist in begrenzter Stückzahl ab Lager für 50,50 € zzgl. MwSt. erhältlich

„So eine Motorradhalterung für 37,00 € zzgl. MwSt. muss man einfach haben“, sagt Marcel. „Die schützt deinen Tank und die Zündkappe und sieht dazu noch besser aus.“

Seltsamerweise gelang es doch, Teile zu kaufen, von denen noch genügend auf Lager waren. Auch die Herstellung verschiedener Teile konnte in Angriff genommen werden. Die meisten Formen, um diese herzustellen, waren zwar noch verfügbar. Aber das Einarbeiten von Verbesserungen, die die Brüder van de Ven selbst entworfen hatten (wie beim Kurbelgehäuse auf dem Foto unten), gelang (noch?) nicht. Eine teure Angelegenheit, der gezeigte 3D-Kunststoff-Prototyp. (Anmerkung der Redaktion: Innerhalb weniger Jahre konnten die verbesserten Kurbelgehäuse zu einem erschwinglichen Preis bei Marcel gekauft werden.)
Die Maschinen waren weg. Von nun an war es wieder reine Handarbeit, an einem anderen Ort. Beim Kauf der Teile gelang es, den „Stolz“ des Ungarn nicht zu verletzen und trotzdem im Voraus zu bezahlen. Auch die Exklusivrechte für viele Länder waren schnell geregelt. Und da wirkt sich dieses „Ehrgefühl“ wieder positiv aus, denn daran halten sich Safar und Kish bis heute strikt.

Die Gehäuse wurden nach Zeichnung gefertigt, wobei unsichtbare Verbesserungen eingeplant waren.

Diese gebogenen Lenker sind sehr schön, eine frühere Serie war zu dick.


Umgekehrt versuchen die Werksleiter auch selbst, komplette Solex-Motoren zu bauen, aber wenn bestimmte Teile, wie zum Beispiel Kolben, knapp werden, lässt gerade Marcel diese anfertigen. Er liefert sie dann wieder zurück zu dem, was von der Fabrik übrig ist;
dort arbeiten – ab und zu – noch fünf Leute. So entsteht ein Gleichgewicht zwischen den Holländern und den Ungarn. Diese Eigenfertigung von Teilen findet in zunehmendem Umfang unter der Leitung von Van de Ven statt. Mittlerweile nicht mehr in Ungarn, sondern teilweise sogar im eigenen Haus, wobei es die Brüder Wil und vor allem Jan sind, die Marcel alles Mögliche beibringen. Genau wie damals, als sie noch kleine Jungs waren …

Für 15,25 € zzgl. MwSt. steht dein Solex sicher auf einem neuen Ständer

 

Wenig China
Dass das größte Land der Welt an der Herstellung von Teilen beteiligt ist, ist mittlerweile „ganz normal“ geworden. Dennoch stammen die meisten Van-de-Ven-Solex-Teile – abgesehen von Indien (20 Prozent) – vor allem aus Europa (also die restlichen 80 Prozent). „Und außerdem“, erzählt der leidenschaftliche und begeisterte Hobbyist/Hersteller/Reparateur, „kaufe ich immer noch regelmäßig tolle Bestände auf. In Frankreich gibt es noch viel, aber auch ganz einfach in unseren ‚eigenen Niederlanden‘. Gekauft, hergestellt und manchmal im eigenen Haus verbessert: Du kannst fast einen
ganzen Solex kann man „neu“ zusammenbauen.

 

Zum verbesserten Zylinderkopf mit zentraler Zündkerze wurde auch ein selbst gefertigter Motorheber aus Edelstahl entwickelt

Rahmen und Kotflügel bilden die Schlusspunkte, die sind etwas spärlicher gesät. Bei den Kurbelgehäusen ist das auch ein bisschen so, und das war ein Beispiel für ein „noch nicht gelungenes“ Thema. Nach viel Zeichnungsarbeit
am Computer, bei denen unauffällige Verbesserungen geplant waren, gab es zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels noch nichts weiter als ein 3D-gedrucktes Kunststoff-Testkurbelgehäuse, das die Anforderungen nicht erfüllte. Da dieses entscheidende Bauteil nicht oft kaputtgeht (das Gussmaterial zerfällt eigentlich durch Verschmutzung und Alterung), lohnte es sich damals noch nicht, nach den bereits investierten 10.000 Euro weiterzumachen. (Anmerkung der Redaktion: Wie bereits erwähnt, ist das inzwischen doch geschehen und sie sind bei Marcel erhältlich).

Verbesserte leichte Pleuelstange. Dank der Rippe ist sie 25 Prozent stärker

Das Aufbohren von Zylindern wird langsam zu einem alten Handwerk. Zum Glück ist Marcel noch kein alter, runzliger Mann …

 

Zurück auf den Boden der Tatsachen
Inzwischen kommt eine ältere Dame kurz vorbei, um ihr Solex zur Wartung abzugeben. Sie will nicht fotografiert werden, aber das „Kunden-Händler-Gespräch“ ist altmodisch gemütlich und an sich schon fast ein Museumsstück, das man miterleben sollte. Natürlich steht eine Reihe von Solexen im – okay, Showroom – komplett mit einem schwarzen Schaf: ein Simplex mit Berini Ei, auch bekannt als M 13. Meistens sind es Kundenexemplare, aber es steht auch eines zum Verkauf. Entweder bist du ein Solex-Laden oder du bist es nicht. Ein echtes
so gut wie neuer Solex kostet bei Marcel etwa 2.000 Euro zzgl. MwSt., und das finden wir eigentlich noch ganz in Ordnung. Ab zweitausend Euro darf man schon ein bisschen Anspruch haben. Auch die Kreidler auf der Werkbank verrät, dass Marcel wirklich mehr versteht als nur „Solex“. Er hat offenbar eine Cross-Vergangenheit. Und dabei hatten wir vorher noch vor, ihn ein bisschen zu necken, indem wir ihn mit Fragen zu Zündapp herausfordern wollten … Wie sich herausstellt, besitzt er sogar eine seltene Zündapp Janus „Bubblecar“
besitzt, der zwischen den Großverpackungen mit Solex-Ersatzteilen im Lager auf seine Restaurierung wartet.

Die Tankhalterung aus Edelstahl wurde entwickelt, indem man ein Original flachgeklopft und die Form perfekt per CNC gefräst hat. Die Ecken noch mal „richten“ und schon hast du ein Exemplar aus Edelstahl

Oto-Satteldecken in allen Farben für 24 €,= zzgl. MwSt. Für die 3800 gibt’s sie auch, für 22 €,= zzgl. MwSt.

Der Handel mit neuen Ersatzteilen nimmt stetig zu und ist längst weltweit. Deshalb tauchen in einem angrenzenden Lagerhaus vorsichtig die Begriffe „Effizienz“ und „großangelegt“ auf. Ein geradezu witziges Beispiel dafür ist der „Paternoster“, der
wieder im Laden steht. In einer Apotheke oder Bibliothek sieht man manchmal so einen „Karussellschrank“. Bei Marcel ist er voll mit Solex-Ersatzteilen.

Ventilheber-Set aus Edelstahl. Für 5,95 € zzgl. MwSt. – nie wieder Ärger

 

Zukunft
In dieser Geschichte gibt es kein einziges „aber“, obwohl das aus betriebswirtschaftlicher Sicht leider so oft gerechtfertigt ist. Das ist ein gesundes Unternehmen mit Zukunft. Knappe Margen, aber nicht zu knapp; er kommt gut mit Konkurrenten zurecht (und beliefert sie auch. Manchmal
schickt er sie sogar einfach an seine eigenen Lieferanten weiter). Er kommt damit gut über die Runden, und so wird die Restaurierung seiner Mini-Autos (es gibt dort auch einen Messerschmidt 200) bestimmt irgendwann mal klappen. Die geschäftlichen Qualitäten sind top, und auch die menschliche Seite kommt in Sevenum voll zur Geltung. Du bekommst ganz von selbst noch mehr Lust auf einen Solex, wenn du auf der Helenaveenseweg in Sevenum (ganz in der Nähe von Toverland) landest. Als dann auf Marktplaats ein „Koffertje“ für echt wenig angeboten wurde … Es ist noch ein „Schleicher“, ohne Freilaufkupplung. Und ob er schnell ist? Nee. Der Originalmotor darf in die Vitrine, denn wir haben ja auch noch ein nicht fahrbereites Oto-Exemplar. Da wird Marcel van de Ven bestimmt ein paar coole Kleinigkeiten dafür haben …

Brandneue Hinterradnaben aus Frankreich. „42 Euro“, sagt der Verkäufer …

Infos:
https://www.solex-onderdelen-limburg.nl/nl/
https://www.solex-onderdelen-limburg.nl/de/
https://www.solex-onderdelen-limburg.nl/en/
https://www.solex-onderdelen-limburg.nl/fr/
https://www.solex-onderdelen-limburg.nl/es/
https://www.solex-onderdelen-limburg.nl/pt/
https://www.solex-onderdelen-limburg.nl/da/

Bürgersteig, Regenschirm, Rochefort. Aus welchem Land kamen diese Solex-Roller noch mal? . . .

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